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Erst im Kanon singen, dann geht’s auf die Matte

GesundheitGroßer Andrang bei Präventionskursen von Alice-Hospital und Volkshochschule – In der Stadt fehlen geeignete Übungsräume

Was ist Pilates? Welche Übungen macht man beim Yoga, und wie trainiert man seinen Beckenboden? Mehr als 400 Menschen sind ins Bildungszentrum in die Dieburger Straße 30 gekommen, um herauszufinden, welche Kurse am besten zu ihnen passen. Es sind vor allem Frauen, die sich dafür interessieren.
Isolde Lortz aus Eberstadt hat den Kurs „Jeder Mensch kann singen” besucht. „Es war toll”, sagt sie. „Wir sangen einen Kanon.” Was das mit Prävention zu tun hat? „Singen ist heilsam – es macht den Kopf frei”, sagt sie.

Zwei Räume weiter steht die Haltung im Vordergrund. „Wir werden gleich Übungen machen, wie man richtig steht und richtig sitzt”, erklärt Ismakogie-Lehrerin Rosemarie Bott den etwa 20 Teilnehmern ihre Disziplin, bei der es nicht nur um Haltungs-, sondern auch um Bewegungstraining geht. „Ich habe noch nie was davon gehört – deshalb bin ich hier, um es auszuprobieren”, sagt eine Frau. Neben ihr sitzt Lore Fink. Sie ist „total gespannt”. Die 61 Jahre alte Dame hat einen Schlaganfall hinter sich – und sie hat sich vorgenommen, mehr für ihr Körperbewusstsein zu tun.
„Wir sind überrascht von der Resonanz”, sagt Manfred Fleck, Pressesprecher des Alice-Hospitals. Aufgrund der vielen Anmeldungen seien die Kurse von 16 auf 24 aufgestockt worden. Die größte Nachfrage – knapp 50 Anmeldungen – gab es für einen Vortrag zum Thema Stress.

Adele Daily hat sich den Hatha-Yoga-Kurs ausgesucht. Die Übungen kennt sie schon, deshalb will sie nachher in die Pilates-Stunde gehen und dann vergleichen, was besser für sie ist. Auf jeden Fall, lobt sie, sei der Kennenlern-Tag – ihn gibt es dieses Jahr zum ersten Mal – ein „tolles Angebot”.

Auf dem Boden bleiben die Teilnehmerinnen des Yoga-Kurses beim Schnuppertag „Prävention zum Mitmachen“ im Bildungszentrum in der Dieburger Straße. Foto: Roman GrösserAuf dem Boden bleiben die Teilnehmerinnen des Yoga-Kurses beim Schnuppertag „Prävention zum Mitmachen“ im Bildungszentrum in der Dieburger Straße. Foto: Roman Grösser
Die Physiotherapeuten und Trainer nutzen die Chance, um einen Überblick über ihr Fachgebiet zu geben. Michaela Eppinger erklärt beim Beckenbodentraining zu Anfang die Theorie. An einem Kunststoff-Skelett zeigt sie, dass der Beckenboden, ähnlich wie eine Hängematte, an Knochenvorsprüngen befestigt ist. Anschließend werden Übungen gemacht, die Matten liegen bereits aus.
Einer der wenigen Männer, die sich für die Kurse interessieren, ist der 67 Jahre alte Rolf Schmidt. Er sucht vor allem Entspannung. „Ich bin nervös und unruhig.” Autogenes Training und Meditation habe er in verschiedenen VHS-Kursen ausprobiert, heute will er sehen, ob Yoga etwas für ihn wäre. „Ich habe auch Probleme mit der Wirbelsäule.” Die Ismakogie will er auf jeden Fall noch ausprobieren und auch das Entspannungstraining.
Alle Kurse können ab Februar beim Alice-Hospital oder bei der VHS gebucht werden. „Die Nachfrage ist da und auch an qualifizierten Kursleitern mangelt es nicht”, sagt Steffen Wachter vom VHS-Team. 180 Kurse zum Thema Gesundheit gebe es im Programm. Der Trend der vergangenen Jahre ist seiner Meinung nach längst nicht ausgereizt. Doch leider gebe es nicht genügend Unterrichtsräume in der Stadt. Etwa 30 Gymnastikräume fehlen, schätzt er. „Wir könnten unser Angebot verdoppeln.”

Der Engpass sei nichts Neues. Bereits 2006 sei eine Sportentwicklungsstudie zum Ergebnis gekommen, dass es an Sportstätten fehlt. „Seitdem sind auch einige weggefallen”, erzählt er und erinnert an den Gymnastiksaal im alten Zentralbad. Das Angebot an Sport- und Turnhallen sei zwar groß, sie eigneten sich aber für die Kurse nicht. „Sie können nicht auf einem Spielfeld Badminton spielen und daneben einen Yogakurs geben.”

Darmstädter Echo vom 23. Januar 2012