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Auffangnetz im Becken


Blasenschwäche - Wirksame Mini-Operationen für Frauen mit Urininkontinenz: Bändchen oder „Hängematte" stützen die Harnröhre

Die älteste im Alice-Hospital erfolgreich behandelte Patientin mit Blasenschwäche war 92 Jahre alt. Seit sieben Jahren quälte sie sich schon mit unkontrolliertem Urinverlust herum, dessen Ursache eine gesenkte Gebärmutter war.

Der Urologe Wilhelm Jungmann und der Gynäkologe Amin Mortazawi, die im Netzwerk Beckenbodenzentrum im Alice-Hospital zusammenarbeiten, stimmten sich über die Art des Eingriffs fachübergreifend ab. Sie schenkten der alten Dame aus dem Odenwald damit wieder Lebensqualität: Jetzt traut sie sich unter Leute, ohne befürchten zu müssen, dass jemand „etwas riechen" könnte.

Blasenschwäche ist noch immer ein Tabuthema. Dabei könnte manche Frau davon befreit werden, wenn sie sich ihrem Arzt anvertrauen würde.

Mehrere hundert Patientinnen, die meisten Mitte fünfzig, wurden im Alice-Hospital während der letzten fünf Jahre mit Hilfe eines Bändchens oder eines hängemattenähnlichen Netzes von ihrem Leiden befreit. Nur drei kleine Schnitte unterhalb der Harnröhre sind dafür erforderlich. Der Eingriff dauert etwa eine halbe Stunde und wird von der Kasse bezahlt. Unter die Harnröhre wird eine spannungsfreie, wenig bewegliche Hängematte aus gut verträglichem Kunststoff (Polypropylen) gelegt und um das Schambein herumgeführt. Das Netz oder Bändchen wächst ins Gewebe ein und wirkt dem Druck entgegen, der beim Husten oder Springen im Bauchraum entsteht und die sogenannte Stressharninkontinenz auslöst.

Fünf Millionen Frauen in Deutschland, vor allem Frauen über 50, leiden unter ungewolltem Urinverlust. Urologen und Gynäkologen können ihnen mit neuen Methoden helfen, wenn ihre Blasenschwäche nicht mehr mit Beckenbodentraining oder Elektrostimulation allein zu beheben ist. Welche Möglichkeiten es gibt, stellt das Alice-Hospital bei einem Informationstag am Samstag (14.) vor. pep

Dr. Jungmann und Dr. Mortazawi Blasenschwäche ist behandelbar Während eines kurzen Eingriffs wird den Patientinnen ein Vaginalband oder ein Vaginalnetz aus Kunststoff eingesetzt. An einem Modell veranschaulichen der Urologe Wilhelm Jungmann (links) und der Gynäkologe Amin Mortazawi, wie ein solches Netz gleich einer Hängematte um das Schambein (einen Teil des Beckenknochens) herumgeführt wird. foto:CLAUS Völker

Darmstädter Echo vom 5. März 2009