Kontakt | Impressum

Ärztehäuser, Pflegeschule, Supermarkt


Martinsviertel - Grundstein für Quartierzentrum an der Dieburger Straße gelegt - Investition von 15 Millionen Euro

Über Jahrzehnte hinweg war die Dieburger Straße 24 bis 28 einer der tristeren Orte der Stadt. Dort stand einst der Thalia-Filmpalast. 1969 wurde das Kino geschlossen, das Foyer abgerissen. An dessen Stelle entstanden Parkplätze, in den Zuschauersaal zog ein Supermarkt ein. Von einer angenehmen Atmosphäre aber konnte keine Rede sein.

Das soll sich jetzt ändern. Am Freitag wurde der Grundstein für das Quartierzentrum Martinsviertel gelegt, das sich von der Dieburger Straße bis zur Gutenbergstraße erstreckt. Das Alice-Hospital hatte 2007 zwei rund 4600 Quadratmeter große Grundstücke erworben, um Parkplätze zu bekommen und zwei Ärztehäuser zu bauen. Die Stadt wollte einen Supermarkt im Martinsviertel.

So kam eins zum andern. Am Ende wird nun das Quartierzentrum Martinsviertel stehen. "Wir schlagen eine Brücke ins Martinsviertel", sagte Richard Röhrig, Verwaltungsdirektor des Alice-Hospitals, bei der Grundsteinlegung.

An der Front zur Dieburger Straße hin werden ein vier- und ein fünfgeschossiges Ärztehaus platziert, samt Ladenzeilen im Erdgeschoss. Dort ziehen unter anderem eine Apotheke, ein Sanitätsfachhandel und ein Bäcker ein. In den darüberliegenden Geschossen werden Gynäkologen, Radiologen, plastische Chirurgen und Physiotherapeuten ihren Platz finden, aber auch die Verwaltung des Alice-Hospitals. Und die gemeinsame Krankenpflege-schule von Klinikum, Alice-Hospital und Kreiskrankenhaus Groß-Gerau. Mit 300 Schülern wird sie die größte in Hessen sein.

Alice-Hospital verpachtet das Gelände

Hinzu kommen ein Supermarkt, eine über die Dieburger Straße erreichbare Tiefgarage mit 200 Stellplätzen und - zur Gutenbergstraße hin - ein Sechs-Familienhaus mit etwa 800 Quadratmeter Fläche. Entworfen wurden die Gebäude vom Architekturbüro Rudy'. Das Alice-Hospital hat das

Gelände für 60 Jahre in Erbpacht an die Darmstädter Investorengruppe Biskupek-Scheinert weitergereicht. Die stemmt das 15 Millionen Euro schwere Projekt, das Alice-Hospital tritt als Generalmieter auf. Läden, Supermarkt und Wohnhaus vermarkten die Investoren selbst. Der Abschluss der Bauarbeiten ist für September 2010 geplant.

Auf dem Gelände, das in der Gutenbergstraße sechs Meter unter dem Niveau der Dieburger Straße liegt, mussten 20 000 Kubikmeter Erde ausgehoben werden, größtenteils Felszersatz. Entstehen sollen 15 000 Quadratmeter Geschossfläche, von denen 7000 Quadratmeter auf die Tiefgarage entfallen.

Der Supermarkt wird nach Angaben von Karsten Kaus, dem Rewe-Vertriebschef für Südhessen, eine Verkaufsfläche von 1500 Quadratmeter haben. Die Zahl der Mitarbeiter gab er mit 60 an. Angeliefert werden die Waren über die Gutenbergstraße, die Warenannahme liegt zwei Etagen unter dem eigentlichen Supermarkt.

"Unser Vorhaben ist ein Zeichen, dass auch in einer Zeit finanzieller Engpässe solch ein Projekt geschultert werden kann", sagte Klinik-Verwaltungsdirektor Röhrig. Investor Ulrich Scheinen bezeichnete die Verhandlungen mit den Banken als keineswegs schwierig.

Mit dem Quartierzentrum Martinsviertel und dem zweiten Bauabschnitt für die Kinderklinik versuche das Alice-Hospital, seine Zukunft zu sichern, erklärte Röhrig. Zugleich verteilte er einen Seitenhieb an die große Politik. Es sei schon verwunderlich, wenn für eine einzige Bank 100 Milliarden Euro bereitstünden, für die deutschen Krankenhäuser aber keine drei Milliarden, um deren größte finanzielle Probleme zu lindern.

Da die Gebäude nicht auf der grünen Wiese, sondern mitten in der Stadt entstehen, sprach Stadtbaurat Dieter Wenzel (SPD) von einer "Operation am offenen Herzen". Das Projekt sei ein wichtiger Baustein bei der Aufwertung des Martinsviertel, das seit 1972 Sanierungsgebiet ist. Eine Einkaufsmöglichkeit im Quartier wertete Wenzel zugleich als Beitrag zum Klimaschutz.

Hoffmann betont wohnortnahes Einkaufen

Die Bedeutung wohnortnaher Versorgung betonte auch Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD). Die Stadt sei mit ihrem einstimmig auf den Weg gebrachten Zentren-Konzept auf dem richtigen Weg. Statt auf Einzelhandel an den Rändern setze sie auf Märkte in den Quartieren. "Ich habe den Eindruck, dass auch andere Städte immer mehr unsere Politik annehmen", erklärte Hoffmann.

Für das Watzeviertel, einer der laut Hoffmann lebendigsten und vielseitigsten Stadtteile der Stadt, sei das Quartierzentrum ein "qualitativer Sprung". Sprach's, und versenkte mit Wenzel, Scheinen und Röhrig in einem eigens gemauerten Schacht eine Blechdose, in der sich Baupläne, Münzen und ein Darmstädter ECHO vom 10. Juli befinden. nah


Darmstädter Echo vom 14. Juli 2009