Presse

Unternhmenskommunikation

Manfred Fleck

Telefon: (06151) 402 1400
E-Mail: manfred.fleck@alice-hospital.de


Pressemitteilungen


04-06-2019

Hat der Bauch Hunger oder der Kopf?

Jetzt schau dir mal deine Gewichtskurve an – vor einem Jahr und heute“, sagt Oberärztin Dr. Annette Brunert zu einem zwölfjährigen Patienten. Nach einem Jahr im Programm bei „PriMa Drauf“ erscheint der Junge mit strahlendem Lächeln und stolzgeschwellter Brust. Er hat es geschafft, all die Monate dranzubleiben, sich gesünder zu ernähren, Spaß an der Bewegung zu finden und sein Übergewicht zu reduzieren. Auch seine Eltern sind glücklich: „Das macht er so toll, da müssen wir gar nicht mehr hinterher sein.“

Doch der Weg bis zu diesem Erfolg ist manchmal ganz schön anstrengend und kostet Kraft und Zeit, weiß die erfahrene pädiatrische Gastroenterologin. „Geburtstage oder der Urlaub im All-Inclusive-Club, das sind alles harte Prüfungen“, sagt Brunert. Dabei sei es wichtig, gemeinsam mit den Erwachsenen Strategien zu entwickeln, die Motivation zu halten.

Das Projekt „PriMa Drauf“ der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret hat deshalb ein Zwölf-Monats-Programm entwickelt, das übergewichtigen Kindern im Alter von vier bis zwölf Jahren hilft, ihr Essverhalten umzustellen, Sport zu treiben, mit belastenden Situationen umzugehen und die neuen Erkenntnisse in das Alltagsleben einzubetten. Das Team besteht aus Kinderärzten, Ernährungsexperten, Physio- und Bewegungstherapeuten aber auch aus Psychologen.

„Denn wenn Eltern klagen, die Kinder hätten ständig Hunger, ist es meist nicht der Körper, sondern die Seele, die etwas braucht – etwa um Stress, Angst oder Trauer abzuwehren“, erklärt Annette Brunert. Die Kinder werden sensibilisiert, in sich hinein zu spüren und sich zu fragen: „Hat jetzt mein Bauch Hunger oder mein Kopf?“ Es macht einen Unterschied, ob der leere Magen grummelt oder einem vielleicht nur langweilig ist. Auch in belastenden familiären Situationen wie nach einer Scheidung der Eltern kann das Essen leicht zur Ersatzbefriedigung werden und einen Suchtcharakter entwickeln. „Wir entwickeln mit den Kindern und Jugendlichen Strategien, wie sie gut für sich sorgen können, indem sie etwas anderes machen als zu essen.“ Bewährt haben sich „Was macht mir Spaß“-Karten, die die Kinder selbst gestalten und bei Bedarf aus einer Box ziehen.

„Die ganze Familie muss mitziehen“

„Unser Ziel ist es nicht primär, das Gewicht zu senken, sondern eher zu halten und parallel die Lebensgewohnheiten zu verändern“, sagt Brunert. Dazu gehöre auch, die Ressourcen der Familie zu aktivieren oder von außen durch Beratung reinzugeben.

Der wichtigste Hebel ist, die Ernährung auf eine optimierte Mischkost umzustellen. „Wir setzen nicht auf eine Diät, denn die Kinder sind ja noch in der Entwicklung“, sagt Brunert. Manche wachsen auch mit Hilfe einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung aus der Adipositas heraus. In den meisten Fällen hilft es bereits, Süßigkeiten einzuschränken. Oft stopfen Kinder vor dem Fernseher wahllos Chips und Süßes in sich hinein. Auch stark zuckerhaltige Limonaden werden zu oft getrunken.

Stattdessen hilft es, vor den Mahlzeiten ein Glas Wasser zu trinken, genug zu kauen und durch bewusstes genussvolles Essen wieder ein Sättigungsgefühl zu entwickeln. Auch ein nettes Tischsetting kann helfen - wie die Mahlzeiten gemeinsam in der Familie an einem liebevoll gedeckten Tisch einzunehmen, sich zu unterhalten; statt auf den Fernseher oder das Handy zu schauen.

„Ganz wichtig: Die ganze Familie muss mitziehen.“ Gerade die Eltern sind Vorbilder. So kann sich der Papa nicht einfach eine Cola zum Abendessen genehmigen und das Kind soll das nicht tun. Auch für die schlanken Geschwister sollten die gleichen neuen Rituale gelten.

„PriMa Drauf“ arbeitet gerne mit einer Ernährungspyramide, so dass Kinder auf einen Blick sehen, von was sie wie viel am Tag essen können. Für Süßes und Fettes gilt die Handflächenregel. „Die Kinder lernen, dass eine Portion davon am Tag okay ist, aber die Chips werden eben nicht gestapelt, sondern flach hingelegt“, sagt Brunert und schmunzelt. Mittlerweile gibt es auch ein extra Kinder-Kochbuch mit leckeren Rezepten. Wenn Eltern und Kinder gemeinsam gesund kochen, wird auch das Essen zu einem neuen Erlebnis.

Eine Idee bei „PriMa Drauf“ ist es auch, sich eine Süßigkeiten-Box zu basteln. In die kommen z.B. alle sieben Portionen für die ganze Woche und das Kind kann sich selbst einteilen, wann es wie viel davon isst. Das stärkt die eigene Entscheidungskraft und Selbstwirksamkeit.

Ein weiterer wichtiger Hebel ist das Thema Bewegung. Gerade bei Übergewicht ist der Leidensdruck groß – etwa wenn Kinder im Schulsport gehänselt werden. Oft ist für die Betroffenen die Hemmschwelle hoch, in einen Verein zu gehen. Denn da spielt meist Leistung eine entscheidende Rolle.“ Bei „PriMa Drauf“ steht hingegen der Spaß im Vordergrund. Einmal pro Woche gibt es deshalb eine Bewegungsstunde. Das Ziel: sich im eigenen Körper wohlfühlen und Selbstbewusstsein entwickeln.

Wenn die Kinder und Jugendlichen nach einem Jahr das Projekt verlassen, haben sich zwischen ihnen oft Freundschaften und auch ein reger Austausch zwischen den Eltern entwickelt. All das kann helfen, die Motivation auch über das Projekt hinaus aufrecht zu halten. „Diejenigen, die das schaffen, sind voller Stolz und Glück“, sagt Annette Brunert.

Noch mehr Artikel aus der Alice-Columna

Verschiedenes

Kurse & Seminare

Das Alice-Hospital führt eine Vielzahl von Kursen und Seminaren Rund um das Thema Gesundheit durch. Hierzu zählen sowohl Yoga- und Pilates als auch medizinische Vorträge und Sebsthilfegruppen.

Aufnahme & Entlassung

Die Mitarbeiterinnen der Patientenaufnahme beraten Sie in allen Fragen rund um die Aufnahme. Die Patientenaufnahme steht Ihnen montags bis donnerstags von 8.00 bis 16.00 Uhr und freitags von 8:00 bis 15:30 Uhr zur Verfügung.

Qualität & Sicherheit

Infektionsvermeidung und Patientensicherheit ist eine zentrale Aufgabe für Krankenhäuser. Um dieses Ziel zu erreichen, werden im Alice-Hospital eine Vielzahl von Maßnahmen durchgeführt.